Test Test, eins zwei drei
Wie du deinen Audiowalk testest - und testen lässt

Test Test, eins zwei drei
Wie du deinen Audiowalk testest - und testen lässt

Test Test, eins zwei drei
Wie du deinen Audiowalk testest - und testen lässt
150 150 Sophie Burger

Mit der Vollendung der ersten Skriptversion kommt dein Audiowalk in die Testphase. Du möchtest wissen, ob er so funktioniert, wie du es dir vorstellst. Da hilft nur eins: Ausprobieren!

Die Testaufnahme erstellen

Dazu benötigst du zunächste einmal eine Testaufnahme deiner Geschichte. Die Testaufnahme ist schnell gemacht. Du kannst sie in dein Handy oder deinen Laptop einsprechen und dann mit einem Open Source Programm wie Audacity Versprecher oder nicht Doppelungen rausschneiden, wo nötig. Achte beim Einsprechen darauf, dass das Vorlesetempo in etwa dem entspricht, wie du es dir für den fertigen Audiowalk vorstellst. Nur so kannst du herausfinden, ob das Timing stimmt. Wenn es dir hilft, schreib dir vorher Regieanweisungen in den Text, dann kannst du auch schon etwas Stimmung und Spannung rüberbringen. Verbring aber nicht zu viel Zeit mit der Aufnahme, sie ist für dich nur Arbeitsmaterial und die Wahrscheinlichkeit, dass du noch Änderungen für eine zweite oder dritte Testfassung vornehmen musst, ehe du die Geschichte an Beta-Tester*innen gibst, ist hoch. 

Am besten, du nimmst deinen Audiowalk kapitelweise auf. Das hat den Vorteil, dass du jedem Auslösepunkt direkt einen Audiotrack zuordnen kannst. Wenn du die Auslösepunkte/Kapitel und Audiotracks durchnummerierst, ist die korrekte Zuordnung später einfach. Exportiere die Audiotracks wenn möglich direkt als mp3, das ist das Format, in dem wir es in der App abspielen und das auch jeder Smartphone Player abspielen kann. Für manche Programme, wie zum Beispiel Audacity, musst du dafür ein kostenloses Plugin installieren. Andere Audioformate sind aber auch möglich, wir können sie notfalls selbst umwandeln. 

Der erste Testlauf

Bei deinem ersten Test geht es um vier Fragen:

  1. Stimmt das Timing? 
  2. Sind die Weganweisungen verständlich und eindeutig?
  3. Hast du an die Sicherheit deiner Zuhörer*innen gedacht?
  4. Ist deine Wegstrecke barrierefrei? 

Für den ersten Testlauf benötigst du noch keine App. Sobald du die Audiotracks hast, kannst du auch ohne uns loslegen. Dafür ziehst du dir die Dateien auf dein Handy und spielst sie manuell an den jeweiligen Auslösepunkten ab. 

Bevor du deinen Test beginnst, versuche, alles zu vergessen, was du über deinen Audiowalk weißt. Das geht nicht? Nein, aber mach dir bewusst, dass du über jede Menge Vorinformationen verfügst, die das Ergebnis deines Tests beeinflussen. Beispiel Timing: während du läufst, weißt du bereits, wann du wo sein solltest. Das heißt, dass du dein Tempo häufig mit der Geschichte variierst. Wenn du spürst, dass der nächste Auslösepunkt näher rückt, ohne dass der aktuelle zum Ende kommt, wirst du deine Schritte automatisch ein wenig verlangsamen. Das ist okay, solange du dir gedanklich eine Notiz machst, den Abschnitt trotzdem zu kürzen. 

Das Timing überprüfen

Ich habe mein Skript beim Testen gern dabei und markiere direkt, wo was geändert und wie viel ergänzt oder gekürzt werden muss. Ein Notizblock tut es aber auch. Wichtig ist, dass du dir auf jeden Fall die Leer- und Überzeiten mit aufschreibst, damit du dich beim Umschreiben daran orientieren kannst. Endet der Audiotrack weit vor dem nächsten Auslösepunkt, stoppe die Zeit, die es noch braucht, um ihn zu erreichen. Bist du zu früh am nächsten Punkt, pausiere die Aufnahme und schreib dir auf, wie viel kürzer der Track sein müsste. 

Meine häufigsten Änderungen sind Streichen und Umstellen, Ergänzen kommt bei mir eher selten vor. Ich habe aber auch schon mit Autor*innen getestet, denen es genau andersherum geht. Das ist meist der Fall, wenn die Handlungsorte sehr präsent sind und die Strecken dazwischen etwas vernachlässigt wurden. Das gute daran: auf einer Strecke von 2-3 Minuten, zu der es momentan noch keinen Text gibt, brauchst du nicht mit Halbsätzen und Umformulierungen zu jonglieren, sondern kannst einfach ein Stück Backstory einfügen, das deine Figur oder deine Welt noch besser greifbar macht. Oft lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, ob du einen Teil der Handlung, die an einem festen Ort spielt, vorwegnehmen oder unterwegs weitererzählen kannst. Wenn dir dieses Problem bekannt vorkommt, schau dir dazu gern “Crazy Island – Oder: unterwegs erzählenan.

Umstellen ist schnell gemacht und meist der erste Schritt, denn oft ist nicht nur an einer Stelle etwas zu viel, sondern auch an einer anderen zu wenig. Das bedeutet meist nur, dass die Umgebungsbezüge besser angepasst werden müssen. Die Geschichte verändert sich dadurch kaum und du kannst die Wegstrecke voll nutzen. Danach nimmst du dir die Stellen vor, die gekürzt werden müssen. Beim Kürzen kannst du zwei verschiedene Strategien anwenden, die oft beide funktionieren: entweder du findest eine ganze Passage, die du streichen kannst. Ein Nebenstrang, ein Gedankengang deiner Figur, auf den du verzichten kannst. Wenn das nicht möglich ist, nimmst du dir den Abschnitt Satz für Satz vor und kürzst am Detail. Hier ein Füllwort, dort einen Relativsatz – du wirst überrascht sein, wieviel da zusammenkommt. Diese Art des Kürzens fällt leichter, wenn du vorab die Zeichenanzahl abschätzt, weil du dann besser den Überblick behältst, wie nah du deinem Ziel schon bist.

Kürzen kann weh tun und den Text gleichzeitig enorm verbessern. In der Regel möchte ich nach dem Kürzen nicht mehr zum Ausgangstext zurück.

Achte beim Timing nicht nur auf die Abstände zwischen den Auslösepunkten, sondern auch darauf, ob die Umgebungsbezüge an den richtigen Stellen kommen. Über die Umgebungsbezüge lenkst du nicht nur den Blick deiner Zuhörer und hilfst ihnen so bei der Orientierung, du gibst dadurch gewissermaßen auch das Tempo vor. Grundsätzlich laufen ja nicht alle Menschen gleich schnell. Damit dein Audiowalk über eine längere Strecke trotzdem funktioniert, gibt deine Figur ein Tempo vor, an dem sich die Zuhörenden orientieren können. Mehr dazu findest du in “Von Schnecken und Leoparden”.

Weganweisungen, Sicherheit und Barrierefreiheit

Hier gilt das Gleiche wie für’s Timing: mach dir bewusst, dass du ein Vorwissen hast. Du bist deine Route vermutlich während des Schreibens mehrere Male abgelaufen und kennst sie im Schlaf. Versuch dir vorzustellen, du wüsstest nicht, wo es langgeht. Das Wichtigste ist, dass deine Weganweisungen vollständig und eindeutig sind. Wenn du also auf eine bestimmte Sache hinweist, vor allem, wenn es eine Sache ist, die im öffentlichen Raum mehrfach vorkommt, schau dich beim Testen nochmal genau um, ob dein Hinweis auch etwas anderes meinen könnte. Achte auch darauf, dass du keine kleinen Seitenwege übersiehst, die deine Zuhörer*innen später unter Umständen vor die Frage stellen, ob sie hier abbiegen sollen, oder nicht. Abzweigungen zu übersehen, passiert öfter, als man glaubt, vor allem in Parks und bei anderen unbefestigten Wegen. 

Überprüfe bitte auch nochmal die Sicherheit deiner Wegführung. Gibt es Straßen, die ohne Ampel überquert werden sollen? Braucht es dort noch einen Hinweis? Ist eine Stelle unübersichtlich? Achte auch darauf, ob deine Geschichte barrierefrei ist. Gibt es Treppen, hohe Bordsteine oder schmale Durchgänge, die mit einem Rollstuhl oder einem Kinderwagen nicht zu bewältigen sind? Dann können wir diesen Audiowalk nicht als barrierefrei empfehlen. Vielleicht findest du noch eine Alternative, die für alle funktioniert. Noch ist Zeit, sie einzubauen! (Uns ist bewusst, dass nicht alle Audiowalks barrierefrei funktionieren können, da leider immer noch viele Orte nicht ohne Barrieren zugänglich sind. Umso wichtiger ist, dass wir in der Storydive App angeben können, welche Geschichte barrierefrei ist, und welche nicht. Stell dir vor, du bist als Zuhörerin im Rollstuhl unterwegs und bleibst unterwegs mitten in der Geschichte stecken, weil beim Testen eine Treppe übersehen wurde.)

Ich habe gemerkt, dass es mir schwer fällt, mich beim Testen gleichzeitig auf Timing, Wegführung, Sicherheit und Barrierefreiheit zu konzentrieren. Das ist auch ganz schön viel auf einmal. Alternativ kannst du dich deshalb auch erstmal auf das Timing und die Wegführung konzentrieren. Hier sind voraussichtlich sowieso noch Anpassungen nötig. Wenn du dann den nächsten Testlauf machst, kannst du dich dabei stärker auf die Sicherheit und Barrierefreiheit konzentrieren. Hast du noch Fragen dazu, wie du die Weganweisungen gut in deine Story integrierst? Dann lies am besten “Folge dem weißen Kaninchen”. 

Die Testapp

Um deinen Audiowalk in unserer Testapp zur Verfügung zu stellen, benötigen wir von dir

  1. die durchnummerierten Auslösepunkte samt GPS-Koordinaten
  2. die Audiotracks (entsprechend zu den Auslösepunkten durchnummeriert)
  3. die Route auf Google-Maps, damit wir die Laufwege zwischen den Auslösepunkten korrekt einblenden können

Auch mit der App testest du zunächst einmal für dich allein. Du prüfst jetzt, ob alle Tracks an der richtigen Stelle auslösen. Wenn du noch Änderungen am Text vorgenommen hast, überprüfst du auch nochmal, ob Timing und Wegbeschreibungen nach wie vor stimmen. 

Mach dir vor dem Testen eine Liste mit allen Auslösepunkten und hake dann beim Testen ab, welche schon stimmen. Entsprechend notierst du dir, welche noch angepasst werden müssen. Am häufigsten kommt es vor, dass Tracks früher oder später auslösen, als von dir geplant. Dann müssen die Auslösepunkte entsprechend verschoben werden. Notier dir dazu die Stelle mit einer ungefähren Entfernung, z.B. AP12: 10m früher, AP13: 15m später etc., die du dann an uns weitergibst. Noch einfacher ist es, wenn du dich an die Stelle stellst, an der der Track eigentlich auslösen sollte, und dann einen Screenshot der App machst. Darauf ist dann sowohl dein Standort als auch der bisherige Auslösepunkt zu sehen. Achte dabei darauf, dass dein Standort auf der Karte korrekt angezeigt wird. 

Bitte denk daran, dass die Standortbestimmung von Handy zu Handy und auch je nach Wetterlage variieren kann, d.h. Verschiebungen des Auslösepunktes erst bei mehreren Metern Abweichung sinnvoll sind. Wenn du dir nicht sicher bist, überleg dir, ob es im Zweifelsfall schlimmer ist, wenn ein Track zu früh, oder wenn er zu spät abgespielt wird und orientiere dich beim Verschieben daran.

Seltener kann es auch vorkommen, dass ein Auslösepunkt zu weit rechts oder links liegt, also zum Beispiel auf der falschen Straßenseite oder in einer Häuserreihe, so dass er gar nicht abgespielt werden kann. Das kommt vor allem bei iOS-Geräten vor, weil Apple, anders als Android, keine Google Maps verwendet (wo wir die Daten auslesen), und es zu Abweichungen zwischen den Kartendiensten kommen kann. Wenn ein Auslösepunkt nicht zu erreichen ist und ein Track deshalb nicht abgespielt werden kann, unterbricht die Geschichte und du musst deinen Test abbrechen. Gib uns in diesem Fall direkt Bescheid, so dass wir den Auslösepunkt für den nächsten Test anpassen können.

Beta-Testing

Sobald auch auf technischer Seite alles läuft, kannst du andere deinen Audiowalk ausprobieren lassen. Das ist wirklich wichtig, auch wenn die Qualität noch weit von der professionellen Produktion, die du am Ende anstrebst, entfernt ist. Die Gründe dafür habe ich oben schon genannt: du weißt einfach zu viel über die Route und die Geschichte, um deinen Audiowalk uneingenommen auszuprobieren. Außerdem bist du bestimmt schon gespannt auf Feedback.

Such dir zum Testen also jemanden, der deine Geschichte und vor allem deine Route noch nicht kennt. Du kannst dieser Person dein Handy leihen oder uns bescheid geben, damit wir sie ebenfalls in die Testapp einladen können. Dafür müssen wir wissen, ob sie Android oder iOS nutzt. 

Bitte die Person, beim Testen möglichst nicht auf die integrierte Karte zu sehen. Nach dem Test stellst du ihr einige Fragen, um herauszufinden, wo es noch Änderungen braucht. 

Frage ganz allgemein, ob die Person Probleme hatte und lass dir beschreiben, wann und wo sie aufgetreten sind. Ist der Audiowalk ohne Probleme durchgelaufen? Gab es Momente, wo sie auf die Karte schauen musste oder sich sogar verirrt hat? Wenn du spezifische Fragen hast, Dinge, bei denen du dir selbst beim Testen unsicher warst, stell diese Fragen erst, nachdem deine Testperson ihre Beobachtungen zu ende geschildert hat. 

Jenseits von Fragen zu den technischen Abläufen solltest du dir die Chance nicht entgehen lassen, auch inhaltlich Feedback zu bekommen. Lass dir zum Beispiel die Geschichte kurz zusammenfassen und frage, welche Stellen besonders im Gedächtnis geblieben sind. Vielleicht gibt es noch offene Fragen; Dinge, die deine Testperson gern über deine Figur oder deine Erzählwelt erfahren hätte. Auch hier gilt wieder, dass du erst offene Fragen stellst bevor du genauer nachhakst. 

User Shadowing

Wenn deine Testperson einverstanden ist, könnt ihr auch ein sogenanntes User Shadowing machen. Dabei lässt du sie die Geschichte ebenfalls alleine testen, gehst aber ein paar Meter hinter ihr her und beobachtest sie. Dabei kannst du sehen, wann sie stehen bleibt, sich zu orientieren versucht oder den falschen Weg einschlägt. Am besten hörst du die Geschichte dabei selbst auch, damit du diese Momente besser zuordnen kannst. Mach dir Notizen, wann immer sich deine Testperson anders als erwartet verhält, und frage nach dem Testen, ob sie sich an diese Situationen erinnern kann und wie sie sie wahrgenommen hat. Vielleicht ist sie nur stehen geblieben, weil sie ihre Jacke zumachen oder ein Kaugummi aus der Tasche holen wollte, vielleicht liegt es aber auch daran, dass eine Wegbeschreibung nicht eindeutig war. Oft bekommst du so auch schon konkrete Vorschläge, wie du den Text hier ändern müsstest, um Missverständnisse zu vermeiden. User Shadowing hat den großen Vorteil, dass du Schwierigkeiten in Echtzeit wahrnehmen kannst. Wir tendieren oft dazu, Probleme als nicht mehr wichtig wahrzunehmen, wenn sie erst einmal gelöst sind, oder sie uns selbst zuzuschreiben. Aber wenn jemand im Track zurückspringen muss, um sich deine Wegbeschreibung noch einmal anzuhören, weil er sie beim ersten Mal nicht verstanden hat, dann ist das ein Hinweis für dich, die Stelle zu überarbeiten. 

Ganz wichtig: lass dich nicht entmutigen, wenn etwas schief geht. Meist machen ein paar wenige Anpassungen schon einen großen Unterschied. Wichtig ist, dass du deinen Testern gut zuhörst, sie ernst nimmst und problematische Stellen danach noch einmal überarbeitest. 

Danach ist dein Skript bereit für die Produktion.