20.000 Meilen unter dem Meer
Der Storydive Jahresrückblick 2020

20.000 Meilen unter dem Meer
Der Storydive Jahresrückblick 2020

20.000 Meilen unter dem Meer
Der Storydive Jahresrückblick 2020
1920 706 Sophie Burger

2020 war ein abenteuerliches Jahr, in dem vieles anders kam, als gedacht. Wir hatten geplant, vie unterwegs zu sein und waren am Ende fast nur zuhause. Trotzdem sind wir in neue Welten eingetaucht und haben viel auf die Beine gestellt. In unserem Jahresrückblick erzählen wir euch von den Überraschungen, Hindernissen und Pannen ebenso wie von den großartigen Momenten, die wir dank vieler Unterstützer*innen auch in diesem Jahr erleben durften. 

Die Vorgeschichte: für unseren im Herbst 2019 ausgeschriebenen Ideenwettbewerb konnten sich Autor*innen mit Ideen für Audiowalks in ihrer Stadt bis zum 31. Dezember bewerben. Wir haben gerade erst angefangen mit Storydive, kaum jemand kennt uns. Wer lässt sich auf ein Abenteuer mit uns ein? Die letzten Bewerbungen kommen an Silvester kurz vor Mitternacht rein. Wir sind überwältigt von Interesse und Begeisterung für das Projekt, die Autor*innen in ganz Deutschland mit uns teilen. 

Januar

Im Januar wählen wir dann aus über 100 Einsendungen unsere 6 Favoriten aus: Nicole und Simon Born aus Mainz, Trude Schneider aus Berlin, Petra Markovic aus München, Claudia Bignion aus Radolfzell, Daria Geske aus Hamburg und Corinna Rindlisbacher aus Wolfenbüttel haben uns mit ihren Ideen überzeugt. Es kann losgehen!

Um die Autor*innen beim Schreiben zu unterstützen, starten wir unseren Storydive Schreibworkshop Blog. In den ersten Beiträgen geht es um die Unterschiede zwischen Stadtführung und Audiowalk, das passende Timing und wie man die Route sinnvoll unterteilt. Wie so ziemlich jede*r 2020 versuchen wir uns auch an einem Podcast, haben aber schon nach fünf Folgen vorerst genug. 

Februar

Im Februar machen sich die ausgewählten Autor*innen an die Arbeit, damit wir auf unserer großen Deutschlandtour im März bereits die erste Fassung zusammen testen können. Wir lesen Manuskripte, geben Tipps und freuen uns wie verrückt darauf, auf unserer Reise endlich alle persönlich kennenzulernen. 

Starten wollen wir auf der Leipziger Buchmesse und arbeiten dafür mit der Autorin Lilith Diringer an einem Audiowalk auf dem Messegelände. Dafür müssen wir außerdem die App soweit zum Laufen bringen, dass die Messebesucher*innen sie ausprobieren können. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen! Schließlich haben wir unseren ersten Audiowalk samt App-Prototypen zur documenta14 auch innerhalb weniger Wochen entwickelt. 

Parallel schreiben wir an unserer Bewerbung für die Jungen Innovatoren, ein einjähriges Förderprogramm des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg – die Anschlussfinanzierung an unser Exist-Stipendium, das im Juli auslaufen wird. Diese Förderung brauchen wir, damit wir unser Projekt weiterhin nach unseren eigenen Ideen und Zielen gestalten können.

Bei Exist stellen wir einen Antrag auf Teamerweiterung – wir möchten für das Appdesign mit Larissa Mantel zusammenarbeiten und haben noch einen Platz im Team frei. Doch der Projektträger lehnt unseren Antrag ab. 

März

Anfang März häufen sich die Nachrichten zu Corona und je näher die Buchmesse rückt, umso unsicherer wird, ob wir unsere Reise überhaupt machen können. Kurz vor Start wird die Buchmesse dann abgesagt – wir fahren trotzdem nach Leipzig, allein schon um uns Liliths Audiowalk “die Wahrheit” vor Ort anzuhören. 

Nach mehreren Telefonaten und viel Hin und Her erreicht uns einen Tag vor der Abreise die Nachricht, dass Larissa doch ein Exist-Stipendium erhält. Wir freuen uns riesig und stoßen bei ihr zuhause gemeinsam auf unsere Zusammenarbeit an, ohne zu wissen, dass es unser letztes persönliches Treffen innerhalb der kommenden drei Monate sein wird.

Von Leipzig aus fahren wir weiter nach Wolfenbüttel, um Corinna Rindlisbacher zu treffen. Bei wunderschönem Frühlingswetter probieren wir ihren Audiowalk “Schatten über Wolfenbüttel” aus und sind begeistert. Aber noch während wir in Wolfenbüttel am Testen sind, wird der erste partielle Lockdown ausgerufen und es ist an der Zeit, nachhause zu fahren. Hamburg, Berlin, Mainz, Radolfzell und München müssen warten.

April

Nach unserer Rückkehr ist schnell klar, dass wir uns neu aufstellen müssen. Wir sprechen mit den Autor*innen und beschließen gemeinsam, das für Mai geplante App-Release zu verschieben – erstmal auf ungewisse Zeit. 

Wir nutzen die Lockdown-Zeit, um die App komplett neu aufzusetzen. Dazu gehört zum einen das Design, mit dem Larissa jetzt durchstartet. Zum anderen entscheiden wir uns für eine technische Neuentwicklung auf einem zukunftssicheren Framework. Mit dem alten kommen wir mit den Updates der Plugins nämlich kaum noch hinterher. 

Zwei Tage vor Ostern kommt dann die gute Nachricht, dass wir es in die letzte Bewerbungsrunde des Junge Innovatoren Programm geschafft haben. Da der sonst übliche Pitch vor einer Jury ausfallen muss, sollen wir innerhalb einer Woche ein Video erstellen, in dem wir uns und unsere Idee vorstellen. Wir legen uns richtig ins Zeug, doch dann hören wir erstmal lange nichts.

Mai

Während die meisten Autor*innen trotz Lockdown weiter an ihren Audiowalks arbeiten können, gibt es bei Nicole und Simon in Mainz und Claudia in Radolfzell Probleme mit der Route. Der Grund: beide Audiowalks führen durch einen öffentlichen Park, der jetzt gesperrt ist. 

Als Mitte Mai die Route in Radolfzell wieder frei ist, hat Claudia beim Testen Probleme mit der App. Wir beschließen, für einen Tag an den schönen Bodensee zu fahren. Dort testen wir nicht nur erfolgreich und mit viel Spaß Claudias Audiowalk, sondern lassen bereits den ersten Part einsprechen. Es handelt sich um eine kurze Nebenrolle, die Claudia mit Martin Schäuble, dem Präsident des Narrizella Fasnachtsverein besetzt, weil der eine so ansteckende Lache hat. Wir machen die Aufnahme, lachen tatsächlich viel und haben dann direkt noch einen von Claudia organisierten Pressetermin. Es folgt der zweite Testlauf, wir schauen nochmal auf den See und dann nichts wie zum Zug! 

Juni

Im Juni hat dann auch der Botanische Garten in Mainz wieder geöffnet, allerdings dürfen immer nur 50 Menschen gleichzeitig im Park sein. Um das zu kontrollieren, werden alle Eingänge bis auf den Haupteingang geschlossen. Das ist schade, denn im Audiowalk von Nicole und Simon stehlen sich die Zuhörer*innen durch den Hinterausgang hinaus. Wir fahren für einen Tag nach Mainz, um zusammen mit dem Autor*innen-Team vor Ort zu entscheiden, ob wir eine Ersatzroute finden und das Skript entsprechend umändern. Das Problem: der Aufnahmetermin mit dem Sprecher der Hauptrolle, Jakob Schwerdtfeger, ist bereits für die Folgewoche geplant. Die Route vor Ort und das Timing funktionieren bis auf den Haken mit dem verschlossenen Tor so gut, dass wir beschließen, alles so zu lassen und die Veröffentlichung notfalls zu verschieben. Bis September kann ja noch viel passieren!

Auch für die meisten anderen Audiowalks steht im Juni die Audioaufnahme an. Da wir aufgrund von Corona das Tonstudio an der Hochschule der Medien nicht nutzen können, und generell in den Studios zur Zeit strenge Hygienebedingungen bestehen, sodass nur noch wenige Aufnahmen pro Tag gemacht werden können, begeben wir uns auf die Suche nach Sprecher*innen mit eigenen Aufnahmemöglichkeiten. Wir entdecken und besetzen Detlef Tams, Monika Hein, Verena Kiy, Elke Koepping, Genet Zegay, Simon Pearce und Vivian Upmann – an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit! 

Petra Markovic hat schon mehrere Hörspiele produziert und möchte die Aufnahme von “Der Tote vom Nicolaiplatz” gern selbst vor Ort in München leiten. Weil sich kein Studio findet, mieten wir schließlich einen Kinosaal. Dass dort in der Regel eine gute Akustik herrscht, wissen wir noch aus unserer Zeit als Kinobetreiber*innen, in der wir unsere Audiowalk-Produktionen ebenfalls im Kino gemacht haben. 

Ende Juni kommt dann endlich die Zusage für das Junge Innovatoren Programm. Außerdem erfahren wir, dass unser Exist-Stipendium aufgrund von Corona um drei Monate verlängert wird. Das Timing ist knapp, aber perfekt: so haben wir ab August für 15 weitere Monate eine Finanzierung. 

Juli

Während die letzten Audioaufnahmen noch laufen, beginnen wir mit der Postproduktion. Wir sichten und schneiden das Audiomaterial. Langsam nehmen die Audiowalks Gestalt an. 

Gleichzeitig müssen jede Menge Texte für die App geschrieben werden, zum Beispiel die FAQs, die Beschreibungstexte der Audiowalks und die Datenschutzerklärung. Für letztere holen wir uns Unterstützung von einer Anwältin. 

Larissa ist mit dem Appdesign fertig und geht ein neues Kapitel an: wie zeigen wir uns in Zukunft in der Öffentlichkeit? Welche Farben verwenden wir? Was für einen Stil? Welche Schriftarten? Sie entwickelt Ideen für verschiedene Formate und erarbeitet ein Konzept, das es allen Teammitgliedern möglich macht, selbst Grafiken zu erstellen. 

Zur gleichen Zeit beginnt unser Social Media Coaching bei Katrin Gildner. Sie versucht, uns für das Thema #staycation zu begeistern, das diesen Sommer en vogue ist. Das gelingt nur so mäßig, denn schließlich müssen wir nicht nur zuhause bleiben, sondern den Sommer über auch noch durcharbeiten, um das mittlerweile für Anfang September geplante Release rechtzeitig fertig zu bekommen. Dafür nehmen wir jede Menge Input zu spannenden Formaten mit und legen endlich einen Redaktionsplan an. 

August

Es ist heiß und die Vorbereitungen für den Launch laufen auf Hochtouren. 

Fabian verbringt fast ebenso viel Zeit im Park wie vor dem Computer – nach jeder größeren Änderung im Code muss er testen, ob noch alles läuft und welche neuen Bugs jetzt wieder gefixt werden müssen. 

Jeder Audiowalk braucht ein einzigartiges Cover. Larissas Schwester Michelle Mantel ist Fotografin und unterstützt uns mit zwei tollen Aufnahmen, die wir als Cover für “Ausgeliefert” und “Altopien” verwenden. Die restlichen Cover teilen wir uns auf: Larissa übernimmt “It’s a Match”, “Der Tote vom Nicolaiplatz” und die “Stadtgeschichten”, Sophie nimmt sich die “Radolfzeller Zauberbrunnen”, “Schatten über Wolfenbüttel” sowie “Lucas Kopfkino” und “Berufskrankheit” vor. Fabian erstellt das Cover zu “Chronik eines Verschwindens”. 

Mitte August findet das Heidelberger Literaturcamp zum ersten Mal digital statt. Wir sind natürlich dabei und halten eine Session über Audiowalks.

Kurz darauf werden Fabian und Sophie krank. Es ist zum Glück nicht Corona, doch beide fallen für eine komplette Woche aus, und das so knapp vor dem Release! Schweren Herzens beschließen wir, das Release vom 01. auf den 10. September zu verschieben. 

September

Da das Release ursprünglich für Anfang September geplant war, haben Trude Schneider und Elke Koepping für den 05. September zur Releaseparty von “It’s a Match” in den Berliner Wedding geladen. Wir sind aber zuversichtlich, dass die App bereits stabil läuft, und geben unser OK für ein Pre-Release. Doch dann geht alles schief: der Audiowalk will bei vielen nicht richtig laufen und die App stürzt ab. Trude kann den Abend mit selbst gebackenen Zimtschnecken und einem Picknick im Schillerpark retten. Elke liest den Audiowalk denen, die ihn nicht per App hören können, beim Laufen vor. 

Wir finden den Fehler und beheben ihn. 

Am 10. September ist es dann endlich soweit: die Storydive App erscheint mit den Audiowalks von Trude, Petra, Daria, Corinna und Claudia in den Appstores. Auf diesen Moment haben wir das ganze Jahr über hingearbeitet und wir feiern zusammen mit den Autor*innen in einem Insta-Live, denn Live-Veranstaltungen sind ja keine so gute Idee 2020. 

Nicole und Simon sind bei der Feier auch dabei, doch ihr Audiowalk “Ausgeliefert” kann immer noch nicht erscheinen, weil der Hinterausgang des Botanische Garten in Mainz weiterhin gesperrt bleibt. 

Neben Audiowalks in Berlin, München, Radolfzell, Hamburg und Wolfenbüttel stecken in der neuen App auch ein paar unserer früheren Audiowalks, die ihr in Frankfurt und Karlsruhe hören könnt. 

Eine Woche nach dem Release fahren Fabian und Sophie nach Berlin, wo sie endlich auch Trudes Audiowalk durch den Wedding ausprobieren. Diesmal läuft alles. Sie treffen sich mit dem Dramaturg und Autor Florian Heller, um an Story und Routen zu einem dreiteiligen, interaktiven Audiowalk für 2021 zu arbeiten. Mehr dürfen wir noch nicht verraten! 

Oktober

Im Oktober startet Lisa Meyle als Praktikantin bei uns. Sie studiert Mediapublishing an der Hochschule der Medien in Stuttgart und begleitet uns ab jetzt für 6 Monate im Bereich Grafik und Social Media. 

Wir arbeiten weiter an der App. Für die Veröffentlichung von “Ausgeliefert” in Mainz braucht es ein neues Feature: die Möglichkeit, unterschiedliche Audiotracks abzuspielen, je nachdem, wohin unsere Zuhörer*innen gehen. Damit können wir interaktive Audiowalks umsetzen, also Audiowalks, die sich an die Wegentscheidungen ihrer Hörer*innen anpassen. Zur Geschichte von Nicole und Simon gibt es zwei verschiedene Enden – ihr müsst selbst entscheiden, wem ihr vertraut und wem nicht. 

Sophie hält ihr erstes Webinar über Audiowalks. Die Teilnehmer*innen kommen aus der Bildungs- und Jugendarbeit und möchten zusammen mit Kindern und Jugendlichen Audiowalks umsetzen. Veröffentlichen können wir solche Audiowalks in unserer App Ortspiel. Mit dieser haben wir 2019 neben Storydive eine Plattform für medienpädagogische Audiowalkprojekte gestartet. 

November

Im November ist es dann soweit: das Interaktivitäts-Feature ist fertig, der Botanische Garten hat wieder geöffnet und wir können “Ausgeliefert” endlich veröffentlichen. Mittlerweile sind Nicole und Simon nach Köln gezogen – und haben ein Baby bekommen! Baby Born erblickt noch vor dem seit Januar geplanten Audiowalk das Licht der Welt. Wir gratulieren (zum Baby) und der SWR möchte einen Fernsehbeitrag drehen (über den Audiowalk) – doch die Uni Mainz verweigert wegen Corona die Drehgenehmigung. 

Bis zum 10. November können alle Nutzer*innen die Audiowalks in der Storydive-App bewerten und so mitbestimmen, wer den Publikumspreis in Höhe von 1.000,-€ erhält. Es zählt nicht die Anzahl der Stimmen, sondern die beste Durchschnittsberwertung – doch die Gewinnerin Corinna liegt am Ende sogar bei beidem vorn. Ihr Audiowalk über ein aus dem Monsterlabor entflohenes Schattenmonster, das die Zuhörer*innen wieder einfangen müssen, begeistert in Wolfenbüttel Groß und Klein gleichermaßen.

Jetzt ist die Arbeit am Ideenwettbewerb abgeschlossen. Wir haben viel gelernt und sind bereit für neue Projekte. Das “Junge Innovatoren” Programm startet. Wir sind ab jetzt Mitarbeiter*innen des Instituts für Angewandte Narrationsforschung an der Hochschule der Medien in Stuttgart, dürfen uns aber weiterhin ganz Storydive widmen. 

Als erstes Folgeprojekt arbeiten wir mit der Autorin Manon Hopf an einem Audiowalk für die Reichelsheimer Märchentage. “Märchenwald. Unterwanderung” wird vom Hessischen Literaturrat unterstützt. 

Dezember

Das Jahr ist fast vorbei, doch es ist noch viel zu tun: Fabian arbeitet an einer Weboberfläche, die Autor*innen in Zukunft nutzen können, um ihre Audiowalks selbst in die App zu laden. Dadurch sind sie beim Testen nicht mehr auf uns angewiesen und können Änderungen während der Testphase schnell und einfach selbst einarbeiten. 

Währenddessen schreibt Sophie an einem Audiowalk-Handbuch, das den gesamten Produktionsprozess kurz und einfach erklärt. 

Gleichzeitig wird der Audiowalk “Märchenwald. Unterwanderung” am Hessischen Rundfunk aufgenommen. Wir übernehmen die Postproduktion. 

Zum 31. Dezember  verlässt Larissa das Storydive Team wieder. Wir wünschen ihr alles Gute für die Zukunft und bedanken uns von Herzen für die tolle Zusammenarbeit. Neu ins Team kommt dann ab Januar Lenja Busch aus Berlin. Sie ist Dramaturgin und wird uns dabei unterstützen, 2021 noch mehr Audiowalk-Projekte umzusetzen. Liebe Lenja, willkommen im Team! 

Das war unser Rückblick auf ein aufregendes Jahr mit einigen Hindernissen und vielen tollen Momenten. Wir freuen uns auf das kommende Jahr und wünschen euch alles Gute.

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