Folge dem weißen Kaninchen
Wie du deine Weganweisungen motiviert einbettest

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Wie du deine Weganweisungen motiviert einbettest

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Wie du deine Weganweisungen motiviert einbettest
150 150 Sophie Burger

Damit dein Audiowalk funktioniert, braucht es Weganweisungen als Teil der Geschichte. Doch das ist leichter gesagt, als getan. Wenn du deine Geschichte schreibst, kann es schnell dazu kommen, dass sich deine Weganweisungen wie Fremdkörper anfühlen. Das hat meist einen einfachen Grund: deine Zuhörer brauchen sie, damit sie sich nicht verlaufen, aber braucht deine Figur sie auch? Oder, anders gefragt, wie motivierst du deine Weganweisung als Teil der Story?

Den Blick führen

Zu diesem Problem gibt es vermutlich so viele Lösungen, wie Geschichten. Ich stelle daher ein paar Ausgangsfragen, die dir helfen, die richtige Strategie für deine Geschichte zu finden. Um sie zu veranschaulichen, gebe ich Beispiele aus Audiowalks, die wir bereits umgesetzt haben. 

Ein Tipp vorweg: die Orientierung im Audiowalk funktioniert grundsätzlich über eine gezielte, sprich gesteuerte Wahrnehmung. Du entscheidest, welche Elemente der Umgebung deine Figur wahrnimmt und wie sie darauf reagiert. Denk deine Orientierungshilfe daher weniger als Anweisung, denn als Blickführung. Nachdem du deine Orientierungspunkte bestimmt hast, suchst du dir zuerst Marker, die aus Sicht deiner Figur oder deiner Erzählstimme relevant und vom Orientierungspunkt aus gut sichtbar oder anderweitig wahrnehmbar sind. Lenke dann beim Erzählen die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf diese Marker. 

Wie du deine Weganweisungen motivierst und überzeugend integrierst, hat vor allem mit dem Setting und der Erzählsituation deiner Geschichte zu tun. Ist die Geschichte aus Sicht der Zuhörerin aus der Ich-Perspektive erzählt? Oder gibt es eine weitere Instanz, die sie durch die Geschichte führt? Eine oder mehrere Figuren, eine Erzählstimme? 

Aus der Ich-Perspektive erzählen

Wenn du aus der Ich-Perspektive erzählst, gibt es zwei wesentliche Faktoren: 

  1. kennt deine Figur ihren Weg? 
  2. wie gut kennt sich deine Figur vor Ort aus?

Ob deine Figur ihren Weg kennt, meint, ob sie ein Ziel vor Augen hat, einen Ort, zu dem sie gelangen möchte. Wenn es einen solchen Ort gibt: aus welchem Grund muss ihn deine Figur erreichen? Unter welchen Bedingungen? Eine Bedingung könnte zum Beispiel sein, dass sie dabei von einer bestimmten anderen Figur nicht gesehen werden darf, dass sie jemanden treffen soll, von dem sie nicht weiß, wie er/sie aussieht oder dass sie einen bestimmten Ort meiden und deshalb einen Umweg machen muss. Es kann natürlich sein, dass deine Figur am Anfang ein Ziel hat, sich dann aber herausstellt, dass es nur ein Teilziel war – oder gar eine Falle – und aus dieser Erkenntnis ergibt sich ein neues Ziel. Dass sich das Ziel laufend verändert, weil die Kontaktperson, die sie treffen muss, sich ebenfalls durch die Stadt bewegt, oder weil sich die Bedingungen verändern.

So oder so: wie kommunizierst du dieses Ziel und den Weg dorthin, ohne dass es unnatürlich oder gewollt wirkt? Das wiederum hat mit Punkt zwei zu tun: den Ortskenntnissen deiner Figur. Je schlechter sich deine Figur auskennt, umso mehr Platz ist für Überlegungen in Richtung: ist dieser oder jener Weg der richtige? Vielleicht hat ihr jemand anders im Vorfeld den Weg beschrieben und jetzt geht sie in Gedanken die Orientierungsmarker ab. Dann hat sie sich vermutlich nicht die Straßennamen gemerkt, und nach wie vielen Querstraßen es links oder rechts geht, sondern besonders auffällige oder allgemein bekannte Dinge. Also zum Beispiel: schräg über die Wiese, rechts am Hotel vorbei, an der Haltestelle die Schienen überqueren. Am Briefkasten links, unter der Unterführung durch, und dann bist du schon fast da, du kannst es nicht verpassen, es ist der einzige Neubau zwischen lauter Altbauten. Diese Anweisungen gibst du nicht zu Beginn, sondern streust sie vor Ort immer wieder ein, so wie wir uns auch in einer normalen Situation häufig orientieren: durch Wiedererkennen. 

Wenn du dich unwohl mit der Integration von Weganweisungen fühlst, tendierst du vielleicht dazu, sie an wenigen Punkten schnell abhandeln zu wollen. Aber Straßennamen und weitreichende Weganweisungen wie “an der nächsten rechts und dann zwei weiter wieder links abbiegen und dann geradeaus bis zum Parkplatz” sind für deine Zuhörer zum einen schwer zu verstehen und zu merken und werfen sie zum anderen leicht aus dem Geschehen. Kontinuierliche Bezüge auf die Umgebung kommen hingegen auch ohne Anweisungen aus, sind dadurch subtiler und helfen deinen Zuhörern, in der Geschichte zu bleiben. 

Die Ortsunkenntnis kann durch verschiedene Dinge begründet sein – vielleicht war die Figur wirklich noch nie hier, vielleicht hat sie aber auch eine Gedächtnislücke oder kennt sich nicht am Ort, sondern in der Zeit nicht aus. In “Chronik eines Verschwindens” etwa befindet sich ein Zeitreisender auf der Suche nach in verschiedenen Jahrhunderten verschwundenen Schriftsteller*innen in unserer Gegenwart. Da er aus der Zukunft kommt, bleibt sein Blick an vielem hängen, das ihm merkwürdig erscheint. Warum tragen die Menschen zerrissene Hosen, als kämen sie von der Feldarbeit, haben aber feine Hände wie Müßiggänger? Warum steht hier eine Pyramide neben griechischen Säulen? Warum ignorieren die Menschen ihre Paläste und Tempel? Dies gibt nochmal ganz andere Möglichkeiten, die Umgebung einzubeziehen

Ausschnitt aus „Chronik eines Verschwindens“, Literatenrunde Karlsruhe © Storydive 2017

Vielleicht hat deine Figur auch nur eine vage Idee, etwas, das sie sucht, aber von dem sie nicht weiß, wo es sich befindet. Der Weg an sich erscheint dann nebensächlich, dafür nimmt sie die Umgebung ganz genau wahr, damit sie auch ja keinen Hintereingang, kein Klingelschild, kein Graffiti verpasst. Über diese Details kann sie nachdenken oder fabulieren. In der Geschichte “Außerirdische für Deutschland” etwa ist der Protagonist auf der Suche nach der besten Alien-Party Karlsruhes. Der Ort, an dem die Aliens feiern, ist geheim, aber es gehen natürlich die wildesten Gerüchte um, und während der Protagonist durch die Straßen irrt, sucht er nach Zeichen. Da er bereits von einer anderen Party kommt, auf der er verschiedenste Drogen konsumiert hat, interessiert und begeistert er sich unterwegs für die abwegigsten Dinge. 

Ausschnitt aus „Außerirdische für Deutschland“ von Daniel Liebeherr © Storydive 2017

In “Verduften” wird der Zuhörer zum Schmetterling. Der Schmetterling flattert durch eine Mall und hat keine besonders große Aufmerksamkeitsspanne. Er hat nicht einmal ein Ziel, sondern lässt sich mitreißen von den Farben, Gerüchen und Empfindungen. Das Metall des Geländers fühlt sich kalt an, die Leuchtreklame blinkt hypnotisch, die Eisdiele verführt mit zuckrigem Genuss. Auch das kann ein Ansatz für die Orientierung sein: lass deine Zuhörer*innen ihre Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen und beschreibe Handlungen, die sie nachahmen können. Auch das bringt sie von A nach B. 

Auaschnitt aus „Verduften“ von Jörg Hartmann © Storydive 2017

Kennt sich deine Figur hingegen gut aus und geht die Route nicht zum ersten Mal, dann wecken Orte Erinnerungen, die du einerseits nutzen kannst, um die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer und damit ihre Schritte zu lenken, und andererseits, um immer wieder ein Stück Backstory einfließen zu lassen. In “Indianerbrunnen” trauert die Figur noch immer ihrer großen Liebe hinterher, die vor vielen Jahren von einem Tag auf den anderen verschwunden ist. Hier, in diesem Kino haben sie sich kennengelernt.

Ausschnitt aus „Indianerbrunnen“ von Horst Koch © Storydive 2017

Unterwegs zeigt er weitere Orte: in diesem Haus haben sie zusammen gewohnt. In dem Kulturzentrum hat sie ihre Gedichte vorgetragen. Hier haben sie Tango getanzt. Und schließlich: in dieser Kneipe hat sie einen anderen kennengelernt. Auch den hat sie wieder verlassen. Er sitzt jetzt immer dort, und trinkt allein.

Es kann auch sein, dass die Umgebung selbst Anhaltspunkte für die Bewegung gibt und du diese Anhaltspunkte lediglich gut etablieren musst. Bei Lucas’ Kopfkino haben wir zum Beispiel Litfaßsäulen als Orientierungspunkte eingeführt. Lucas lernt, dass er, immer wenn er eine Litfaßsäule sieht, nach rechts abbiegen muss. In der Geschichte “Der schlimmste Tag meines Lebens” wiederum ist die Protagonistin gerade mit ihren Freundinnen unterwegs, als der Bombenalarm losgeht. Auf der panischen Suche nach einem Luftschutzbunker folgen die Freundinnen den dafür angebrachten (und heute immer noch sichtbaren) Pfeilen an den Fassaden. 

Weitere Figuren oder Erzählstimmen

Du kannst deine Geschichte auch so schreiben, dass die Zuhörenden sie nicht aus der Ich-Perspektive erleben, sondern zum Beispiel von weiteren Figuren angesprochen und begleitet werden. Diese Variante erleichtert die Integration von Weganweisungen, weil die sprechende Figur meist mehr über das Vorhaben und die Umgebung weiß, als der Zuhörer. Auch hier hast du verschiedene Möglichkeiten. Viel hängt davon ab, wer spricht, aber auch, von wo gesprochen wird. 

Wo sind diese Stimmen verortet? Gehören sie Statuen, Bäumen oder Gebäuden, die die Zuhörenden aus der Ferne zu sich locken? 

Ausschnitt aus „Die letzen Mohikaner“ © Storydive 2017

Oder begleiten sie sie auf Schritt und Tritt, als ihr Schatten oder ein Freund, Geist, Schutzsuchender, Entführer, Coach, Auftraggeber,…? 

Befinden sie sich im Kopf des Protagonisten? 

Ist es eine weitere Figur/Stimme, oder vielleicht sogar mehrere, die sich gegenseitig ergänzen oder unterschiedliche Ziele verfolgen? 

Bei “Engel stehlen nicht” (Nadja Harsch) wird der Zuhörer von einer verängstigten Frau um Hilfe gebeten. Sie wird verfolgt und braucht deine Hilfe, um zu entkommen. Zusammen macht ihr euch auf den Weg. Sabrina, so heißt deine neue Begleiterin, blickt sich ständig nach allen Seiten um und gibt Alarm, sobald sie meint, einen ihrer Verführer erspäht zu haben. Dann versteckt ihr euch hinter Hausecken, Hecken oder Stromkästen, bis die Luft wieder rein ist. Währenddessen erzählt sie dir ihre Geschichte. Die Orientierung erfolgt fast ausschließlich über die verschiedenen Verstecke (ihr hastet von einem zum anderen) und über das räumliche Verhältnis zu den Verfolgern. An einigen Orten erinnert sich Sabrina daran, was sie hier zusammen mit ihrem Bruder erlebt hat, der eine wichtige Rolle in der ganzen Sache zu spielen scheint.

Denkbar ist auch, dass die Stimme aus der Ferne zugeschaltet ist. Ein (digitaler) Assistent, eine Hörspiel-App, bei der die Figuren auf einmal anfangen, direkt zum Zuhörer zu sprechen, ein Telefonanruf. Diese Erzählsituationen eröffnen Möglichkeiten, dem Zuhörer einen unsichtbaren Begleiter zur Seite stellen. 

Die erste Folge unserer Miniserie “Ins Netz gegangen” ist beispielsweise komplett als Telefonanruf erzählt. Cora bittet ihre beste Freundin Christine um Verstärkung. Sie möchte jemanden zur Rede stellen, von dem sie sich verfolgt fühlt. 

Ausschnitt aus „Ins Netz gegangen“ © Storydive 2018

Doch noch während Christine auf dem Weg zu Cora ist, macht Cora einen Alleingang. Christine hört aus der Ferne mit, was geschieht. Doch als sie am Tatort ankommt, ist weit und breit niemand in Sicht.  

Die Hinweise, die Cora am Telefon gibt, helfen einerseits bei der Orientierung, und geben andererseits Anknüpfungspunkte für die zweite Folge, in der Christine sich auf die Suche nach Cora begibt. Ein weiterer Vorteil dieser Erzählweise ist, dass Cora erzählen kann, was sie selbst einige Tage zuvor an dem Ort erlebt hat, an dem sich Christine (und damit die Zuhörenden) gerade befindet. Dadurch wird eine indirekte Orientierung möglich. 

Ausschnitt aus „Ins Netz gegangen“ © Storydive 2018

Nacherzählung und personaler Erzähler

Eine ganz andere Herangehensweise ist es, die Geschichte rückblickend zu erzählen. Das kann aus der Ich-Perspektive geschehen oder auch mit einem personalem Erzähler. 

Einen eleganten Perspektivwechsel mit personalem Erzähler gibt es beispielsweise in “Berufskrankheit”. Nick, ein 16-Jähriger Halbwaise, wartet angespannt auf sein erstes krummes Ding. Mattis, ein abergläubischer Psychiater, beobachtet ihn. Sie kennen sich nicht und sprechen kein Wort miteinander. Während Mattis hinter Nick herläuft, springt die Erzählung immer wieder zwischen beiden hin und her. So sind Weganweisungen einerseits als neugierige Beobachtungen von Mattis und andererseits als fieberhafte Überlegungen von Nick, den der unvorhergesehene Verfolger vor immer neue Probleme stellt, eingearbeitet. Die Zuhörenden starten in der Position von Nick und bleiben am Ende als Mattis zurück. Die Erzählung würde dank dieses Konstrukts auch in der Gegenwart funktionieren.

Ausschnitt aus „Berufskrankheit“ von Lilith Diringer © Storydive 2017

Moviefy Me. Folge dem weißen Kaninchen” wiederum ist rückblickend aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Erzählerin erinnert sich an einen Spaziergang, der für sie die Grenze zwischen Realität und Fiktion auflöste. Auf diesen Spaziergang hat sie ihr Jugendfreund Tom eingeladen, der denselben Spaziergang zunächst alleine gemacht hatte. Der Zuhörer folgt nun auf Einladung der Erzählerin der gleichen Route. Die Weganweisungen dieser verdreifachten Geschichte funktionieren über einen Abgleich zwischen dem, was zum Zeitpunkt von Toms Erlebnis und zum Zeitpunkt der Begegnung vor Ort war, und dem, wie es jetzt dort aussieht. Anders als bei einer Ich-Erzählung in der Gegenwart kann die Erzählerin im Rückblick das eigene Handeln viel ausführlicher beschreiben und kommentieren, ohne dass es gewollt wirkt. 

Orientierungsmarker auswählen

Hast du dir eine Strategie für die Weganweisungen in deinem Audiowalk überlegt? Dann habe ich hier noch ein paar Tipps für dich, worauf es bei der Wahl der Details in der Umgebung, auf die deine Figur während des Spaziergangs aufmerksam wird, ankommt. 

  1. Such dir Orientierungsmarker, die Bestand haben. Damit dein Audiowalk möglichst lange funktioniert, solltest du die Orientierung nicht allzusehr von schnelllebigen Markern wie zum Beispiel Geschäften oder Restaurants abhängig machen. Das ist gar nicht so einfach, weil sich in einer Stadt quasi alles verändern kann. Das betrifft kleine Details wie Graffitis, die übermalt werden und Läden, die schließen oder neu eröffnen, aber es werden auch ganze Häuser abgerissen, neue gebaut oder die Straßenführung geändert. Wo grade noch ein Park war, ist jetzt schon Baustelle und in wenigen Jahren steht dort ein Hochhaus. Gegen solche gravierenden Veränderungen kannst du dich nicht absichern. Wenn du dich vor Ort gut auskennst, weißt du aber wahrscheinlich, welche Läden es “schon immer” gibt und wo sich ständig etwas verändert. Dass ein Geschäft schon seit 30 Jahren besteht, ist natürlich keine Garantie dafür, dass es auch die nächsten 30 Jahre dort sein wird, und dass eines erst vorgestern aufgemacht hat, heißt nicht, dass es übermorgen schon wieder schließt. Aber gerade Restaurants, Imbisse, Handyläden und Friseure wechseln oft ihre Inhaber und Namen und dann ist es schade, wenn sie eine allzu große Rolle in deiner Geschichte spielen. 
  1. Setze auf Vielfalt. Bring mehr Umgebungshinweise unter, als du auf den ersten Blick brauchst. Stell dir vor, einer deiner Marker verschwindet aus dem Straßenbild. Mir ist das mit einer Geschichte passiert, in der ich an einer Stelle den Namen einer Bar als einzigen Richtungshinweis gebe. Die Bar hat mittlerweile zugemacht. Von Freunden, die den Audiowalk ausprobiert haben, habe ich erfahren, dass sie sich an genau dieser Stelle verlaufen haben. Das hätte ich verhindern können, indem ich neben dem Namen der Bar noch den Kreisverkehr, an dem sie lag, oder den Obelisken in dessen Mitte erwähnt hätte. 
  1. Deine Marker sollten in Sichtweite sein, wenn die entsprechende Stelle im Track zu hören ist. Wie weit entfernt sie sind, kann mit der Größe variieren. So kann ein Kirchturm schon aus mehreren hundert Metern Entfernung zu sehen sein, eine Inschrift in einem Gullideckel ist es vielleicht erst auf einen halben Meter. Gerade bei Details kann es sinnvoll sein, den Blick schon vorher in die entsprechende Richtung (hier also: zum Boden) zu lenken und auf die Entdeckung vorzubereiten. Wenn du Pech hast, stimmt das Timing nämlich nicht zu 100 Prozent, und kaum jemand entdeckt einen Marker, der bereits hinter ihm liegt – es sei denn, er weiß schon vorher, wonach er sucht. Hinweise auf Orte außerhalb des Sichtfeldes kannst du einbinden, wenn es zum Beispiel um das nächste Ziel deiner Figur geht. Du kannst dich aber nicht darauf verlassen, dass die Zuhörer diesen Ort ohne deine Hilfe finden. Versuche, so nah wie möglich an der Gegenwart ihrer Erfahrung zu bleiben. 
  1. Wähle eindeutige Marker. Das klingt erstmal selbstverständlich, aber der Teufel steckt im Detail. Während dein Blick beim Schreiben auf diesen einen Marker gerichtet ist, den du entdeckt hast, sind deine Zuhörer Suchende. Sie suchen einen Briefkasten? Sie finden einen Briefkasten! Du hast den gelben von der Post gemeint, in den man seine Briefe zum Versand einwirft. Sie haben den Briefkasten im nächsten Hauseingang entdeckt und gehen fest davon aus, dass der gemeint war. Ob deine Marker eindeutig sind, findest du am einfachsten heraus, indem du jemand anders deinen Audiowalk testen lässt. Frag unbedingt, an welchen Stellen sich deine Testperson unsicher war, wo es als nächstes langgeht (und bitte sie, nur im Notfall auf die Karte zu schauen). Beim Testen von Lucas’ Kopfkino etwa ist aufgefallen, dass das Haus mit Turm, das Lucas sucht, erst viel später zu sehen ist, als ein anderes Haus mit Turm, das uns aber einfach nicht aufgefallen ist. Wir haben aus dem Haus mit Turm dann ein Haus mit rundem Turm gemacht. Das andere Haus – mit einem eckigen Turm – haben wir bewusst ebenfalls erwähnt: Lucas überlegt, ob es das richtige sein könnte, verwirft den Gedanken dann aber wieder, weil der Turm nicht rund ist. So konnten wir aus einem potentiellen Missverständnis sogar noch einen weiteren Orientierungsmarker machen. Um zu diesem Haus mit dem eckigen  Turm zu gelangen, hätte man übrigens eine große Straße ohne Ampel überqueren müssen – und das in einem Audiowalk für Kinder! 
  1. Das bringt mich  zum letzten Punkt: Sicherheit. Deine Wegführung muss mit der Straßenverkehrsordnung und der Fußgängerführung kompatibel sein. Fordere nie dazu auf, eine große oder unübersichtliche Straße ohne Ampel zu überqueren. Passe deine Route entsprechend an, so dass die Zuhörer*innen die Ampel nutzen können. Beende dein Kapitel, bevor die Straße erreicht ist, und setze den nächsten Auslösepunkt auf die andere Seite, so dass während des Überquerens nicht abgelenkt werden. Das gleiche gilt für andere potentiell gefährliche Stellen, wie zum Beispiel Bahngleise. Deine Zuhörer*innen haben Kopfhörer auf und konzentrieren sich auf die Geschichte, deshalb musst du dafür sorgen, dass sie deinen Anweisungen folgen können, ohne in Gefahr zu geraten.  

Wenn du noch in der Planungsphase bist und noch nicht genau weißt, wie das Setting für deine Geschichte aussehen soll, schau dir gern meinen Beitrag Die FAQ-Methode an. Darin geht es darum, wie du die Umgebung aus der Sicht deiner Figur erkunden kannst.