Die Route unterteilen
Wie du mit Orientierungs- und Auslösepunkten arbeitest

Die Route unterteilen
Wie du mit Orientierungs- und Auslösepunkten arbeitest

Die Route unterteilen
Wie du mit Orientierungs- und Auslösepunkten arbeitest
150 150 Sophie Burger

Um deinen Text möglichst gut an die Route anzupassen, baust du dir noch vor dem Schreiben ein Gerüst, an dem du dich orientieren kannst. Darin gliederst du dein Skript nach Auslösepunkten. Die GPS-Koordinaten dieser Punkte benötigen wir später, um die einzelnen Audiotracks zu einem Spaziergang zusammenzufügen. 

Wenn du also bereits einen fertigen Text hast (zum Beispiel eine Kurzgeschichte, die du als Audiowalk umsetzen möchtest), leg ihn fürs erste nochmal zur Seite. Für das Gerüst deines Audiowalks startest du am besten mit der Route. Zeichne sie dir auf. Dabei bestimmst du nicht nur den Start- und den Endpunkt, sondern auch Punkte entlang der Strecke, anhand derer du deine Geschichte gliedern möchtest. 

Wir unterscheiden dabei zwischen Auslösepunkten und Orientierungspunkten. 

Orientierungspunkte

Orientierungspunkte setzt du an die Orte, an denen du die Umgebung zu Orientierungszwecken einbeziehen möchtest. Anders gesagt: an diesen Stellen auf deiner Route braucht es eine Weganweisung, damit sich die Nutzer*innen nicht verlaufen. Also zum Beispiel, wenn sie abbiegen oder die Straße überqueren sollen. 

Diese Punkte setzt du an allen Stellen entlang der Route, an denen sich die Gehrichtung deiner Zuhörer*innen ändert.  Macht deine Route einen Knick? Gabelt sich der Weg? Oder soll dein Zuhörer an einer bestimmten Stelle die Straße überqueren? Setz an all diesen Stellen einen Orientierungspunkt. 

Wenn deine Strecke über lange Zeit geradeaus geht, bestärke die Zuhörenden ab und an, weiterzugehen. Solange es genügend Hinweise auf die Umgebung gibt, können sie sich aber auch ohne direkte Weganweisung orientieren. Baue einfach Dinge mit ein, die in Sichtweite liegen.

Such dir beim Einzeichnen der Punkte eine Farbe für die Orientierungspunkte und eine andere für die Auslösepunkte. So verwechselst du sie später nicht. Die Orientierungspunkte erinnern dich beim Schreiben daran, wo du überall Wegbeschreibungen in deine Geschichte einbauen musst. Nur wenn deine Nutzer sich bei der Orientierung sicher fühlen, können sie sich voll auf die Erzählung einlassen. 

Auslösepunkte

Jetzt kommen wir zu den Auslösepunkten. Die Auslösepunkte benötigst du zum einen für ein gutes Timing. Zum anderen sind sie nötig, damit sich die Geschichte in die App integrieren lässt. 

Storydive-Spaziergänge bestehen aus eine Reihe von Audio-Dateien, die jeweils nur an einem bestimmten Ort ausgelöst werden können. Um diesen Ort möglichst genau zu bestimmen, arbeiten wir mit GPS-Koordinaten. Einen Ort, an dem ein neuer Audiotrack ausgelöst werden soll, nennen wir Auslösepunkt.

Die Regel dabei ist einfach: der Track wird nur dann abgespielt, wenn die Koordinaten des Nutzerstandorts mit den für den Audiotrack hinterlegten Koordinaten des Auslösepunkts übereinstimmen.

Ortsbestimmung über GPS

Die Position jeden Ortes auf der Erde lässt sich durch ein Koordinatenpaar über den Breiten- und Längengrad bestimmen. Wenn du einen Audiotrack also an einem bestimmten Ort abspielen möchtest, benötigen wir dessen Koordinaten. Innerhalb der App koppeln wir diese Koordinaten dann mit dem entsprechenden Audiotrack. Genau genommen arbeiten wir dabei zwar nicht mit einer einzelnen Koordinate pro Auslösepunkt, aber mit der GPS-Koordinate teilst du uns den idealen Auslösepunkt mit.

Über den GPS-Empfänger am Handy prüft die Storydive-App, ob sich der Nutzer am richtigen Ort befindet. Nur dann wird der Audiotrack abgespielt. Die Storydive App funktioniert deshalb nur, wenn die GPS-Standortbestimmung am Handy eingeschaltet ist. Ist der Track einmal ausgelöst, spielt er auf jeden Fall bis zum Ende. Der Nutzer kann den festgelegten Bereich während des Hörens also verlassen und bereits in Richtung des nächsten Auslösepunkts gehen.  

GPS steht für globales Positionsbestimmungssystem. Dabei wird die Position des Nutzers im Verhältnis zur Position einer Vielzahl von Satelliten bestimmt. Weil eine direkte Funkverbindung zwischen Handy und Satelliten aufgebaut werden muss, funktioniert diese Technologie nur im Freien. Der Empfang des Signals kann in Unterführungen und Innenräumen unterbrochen werden. Deshalb solltest du bei der Konzeption deiner Geschichte darauf achten, dass alle Auslösepunkte im Freien liegen.

Auslösepunkte setzen

Wie bestimmst du, wo deine Geschichte einen neuen Auslösepunkt benötigt?

Such dir dazu Orte, an denen sich der Zuhörer genau in dem Moment befinden soll, in dem die entsprechende Stelle abgespielt wird. Das kann zum Beispiel ein bestimmter Handlungsort sein. Interessant sind vor allem Orte, die für deine Figur eine besondere Bedeutung haben – wie der Gullideckel für Lucas in unserer Geschichte Lucas’ Kopfkino

Auschnitt aus „LUCAS’ Kopfkino“ (Sprecher: Tobias Krell) © Sophie Burger 2018

Lucas sucht die Dingsbumsidentifikationsnummer, die Herrn Schinkenmüller Zugang zum geheimen Sammelsurium gewährt. Diese Nummer ist als DIN tatsächlich auf dem Gullideckel eingraviert. Um sie zu finden, müssen sich die Zuhörer*innen direkt in der Nähe befinden und den Gullideckel selbst unter die Lupe nehmen. Ihre eigene Wahrnehmung soll möglichst nah an die von Lucas heranreichen. Deshalb möchtest du verhindern, dass sie erst noch 20 Meter laufen müssen, ehe sie an der richtigen Stelle sind. Denn dann hat Lucas die Nummer längst entdeckt und wendet sich bereits dem rätselhaften Schlüsselloch in der Wand zu. Je kleiner das Detail, auf das du hinweisen möchtest, um so näher musst du dort heranführen. Das machst du mit einem Auslösepunkt.

Auslösepunkte liegen oft am Übergang zwischen zwei verschiedenen Orten. Nehmen wir den Moment, in dem Tom und die Erzählerin aus Moviefy Me von der Straße in einen mit Lampions beleuchteten Hinterhof einbiegen. Die Stimmung ändert sich und wir befinden uns plötzlich auf einer ganz anderen Realitätsebene. Um den Übergang überzeugend zu gestalten darf diese Szene weder zu früh noch zu spät einsetzen.

An den Übergängen verschiedener Orte mit Auslösepunkten zu arbeiten, hat gleich zwei Vorteile: zum einen entspricht es in der Regel der Gliederung deiner Geschichte. Eine neue Art von Ort läutet oft einen neuen Teil der Geschichte ein.

Zum anderen unterstützt der Auslöser auch bei der Orientierung. Oft koppeln wir Auslösepunkt und Orientierungspunkt. Das heißt, dass wir den neuen Auslösepunkt kurz hinter den vorangehenden Orientierungspunkt setzen. Ein neuer Auslösepunkt ist für den Zuhörer nämlich immer auch ein Zeichen: ein Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist, weil es jetzt weitergeht. Er ist nach wie vor auf dem richtigen Weg! Und diese Versicherung benötigt er am ehesten, wenn er sich gerade neu orientieren musste. 

Erst kommt der Orientierungspunkt, dann der Auslösepunkt

Hinzu kommt, dass du die Weganweisung zum nächsten Auslösepunkt immer schon im vorangehenden Track geben musst. Wenn du das nicht tust, bleiben deine Zuhörer*innen nämlich stecken. Auslösepunkte legst du also am besten so, dass du damit gleichzeitig sicher stellst, dass sich die Nutzer*innen noch auf dem richtigen Weg befinden. Soll eine Zuhörerin die Straße überqueren, weist du sie schon am Ende des vorangehenden Tracks darauf hin. Die Erzählung nimmst du aber erst auf der anderen Straßenseite wieder auf. Dort befindet sich dann auch der Auslösepunkt.

Auslösepunkte und Kapitel

Während Orientierungspunkte dich beim Schreiben einfach nur daran erinnern, dass du hier eine Wegbeschreibung einfügen musst, und dir Anhaltspunkte für mögliche Orientierungspunkte geben, haben Auslösepunkte eine weitere  Funktion. Sie gliedern deine Geschichte. Nehmen wir mal die Kirche, auf die Privatdetektiv Spencer Lux im strömenden Regen zuläuft.

Auschnitt aus „Money Talks III – Im Schatten der Türme“ © Arty Chock 2015

Der Kirchturm ragt hoch über die Bäume hinaus. Deshalb bemerkt er die Kirche bereits ein ganzes Stück vorher. Daraufhin beendet er seine Tiraden gegen das Kleinbürgertum und beschließt, sich unterzustellen. Die Entscheidung markiert den Endpunkt eines Geschichtenabschnitts. Gleichzeitig gibt Spencer uns den Orientierungspunkt für den nächsten Auslösepunkt: die Kirche. An der Kirche begegnet Spencer dann einer neuen Figur und wir schlagen ein neues Kapitel im Verlauf seiner Ermittlungen auf.

Einen Track in unserer Playlist, den wir an einem Auslösepunkt starten, nennen wir Kapitel. Das zeigt auch schon, dass die Auslösepunkte nicht nur der Synchronisierung mit dem Ort dienen. Sie sind auch dazu da, dein Timing zu planen. Und das Timing ist auch der Grund, warum du dich schon früh mit den Auslösepunkten beschäftigen solltest. 

Die GPS-Koordinaten deiner Auslösepunkte bestimmen

Am Anfang sind die Auslösepunkte vor allem für das Timing deiner Geschichte wichtig. Später benötigst du sei dann auch, um deinen Audiowalk auf technischer Ebene zum Laufen zu bringen. Dafür bestimmst du die GPS-Koordinate dieser Auslösepunkte und integrierst sie in dein Skript. Das kannst du über Google Maps tun.

Du kannst auch am entsprechenden Standort ein Photo machen, das du mit deinen GPS-Koordinaten taggst. Diese Funktion lässt sich an der Kamera der meisten Smartphones aktivieren. Und mehr braucht es von deiner Seite auch gar nicht, damit die Geschichte auf technischer Ebene funktioniert.

Die Auslösepunkte können sich später noch verändern. Vielleicht merkst du, dass ein Punkt überflüssig ist, fehlt oder dass du den Punkt verschieben möchtest. Das weißt du oft erst, wenn du deinen Spaziergang getestet hast. Nimm für jetzt einfach deine aktuellen Auslösepunkte als erstes Gerüst für dein Skript.

Der nächste Schritt ist dann, die Wegzeiten zwischen deinen Auslösepunkten zu bestimmen, damit du weißt, welchen Textumfang jedes Kapitel haben darf. Wie du das machst, erfährst du hier.